Krimis-Thriller-Bücher : Der Verräter von Bethlehem

Der Verräter von Bethlehem

EUR 17,90


Ein ungewöhnlicher Krimi aus dem Westjordanland mit hervorragender Analyse der politischen Situation - Ein außergewöhnliches Buch ist hier zu besprechen, ein Buch aus der Mitte eines der längsten und historisch tief reichendsten Konflikte dieser Welt. Ein Buch, das spielt in einem Ort, der vor 2000 Jahren Geschichte schrieb, als dort der Überlieferung des Lukasevangeliums zufolge Jesus von Nazareth in einem Stall geboren wurde. Jenes von einem kleinen Teil der Juden damals als Messias verehrten Menschen, den sie bald als Gottessohn verehrten und der zur Gründungsfigur einer Weltreligion wurde.Bethlehem ist aber auch ein Ort, der von den Muslimen hochgeschätzt wird und liegt heute mitten in palästinensischem Gebiet.Matt Beynon Rees, der Autor dieses außergewöhnlichen Kriminalromans, ist in Wales geboren und lebt seit langem in Jerusalem, wo er bis vor kurzen als Bürochef der Time gearbeitet hat. Er kennt sich also nicht nur mit der Geschichte des Konfliktes aus , der sich dort abspielt, sondern auch mit seinen aktuellen Ausformungen, Höhepunkten und all seinen Irrationalitäten.Mit Omar Jussuf hat er einen Protagonisten erfunden, der auf mutige und sympathische Weise versucht, mitten in einem Strudel von Gewalt, Ideologie, Fanatismus und Korruption als Lehrer einer von den UNO unterhaltenen Schule seinen palästinensischen Schülern etwas beizubringen von der Geschichte des Konflikts, in dem sie aufgewachsen sind, wobei er immer bestrebt ist, die platten Freund-Feind-Bilder aufzubrechen und sich vehement gegen die Parole zur Wehr setzt, die Juden einfach ins Meer zu treiben.In Bethlehem lebt eine immer weiter schrumpfende Minderheit von Christen, deren Kinder fast alle bei Omar Jussuf zur Schule gegangen sind. Der pflegt gute Beziehungen zu ihnen und ist für sie ein immer willkommener Gesprächspartner.Omar Jussufs Unterrichtsstil und insbesondere seine Inhalte führen immer wieder zu Protesten von Eltern palästinensischer Kinder. Der amerikanische Rektor der Schule zeigt wenig Rückgrat und will Omar überreden in den Ruhestand zu gehen. Der, ausgelaugt und müde geworden, überlegt es sich ernsthaft, als ein guter Freund aus der christlichen Minderheit des Ortes, ein ehemaliger Schüler von ihm verhaftet wird. George Saba soll als Kollaborateur für die Israelis Pate bei einem Attentat gestanden haben, bei dem ein führender palästinensischer Widerstandskämpfer erschossen wurde.Omar glaubt das nicht, und macht sich selbst auf, um in dem Fall zu ermitteln und seinen Freund George vor dem sicheren Tod zu retten. Er begegnet einem selbst für ihn überraschend tiefen Sumpf von Korruption bei der Polizei und einem absolut hirnlosen Fanatismus und einer beispiellosen als politischer Kampf hochgeputschten Kriminalität auf Seiten der sogenannten Widerstandskämpfer. Wie Matt Beynon Rees deren verbohrte Ideologie schildert und das Netz von Irrationalität bis hin zur historischen Dummheit und Ignoranz wird ihm dort wenig Freunde machen.Ob Omar seinen Freund George retten kann, wie er selbst aus diesem Fall herauskommt, wie seine Zukunft als Lehrer aussieht, all dies möge der Leser selbst herausfinden in einem absolut empfehlenswerten Buch der Extraklasse mit vielen politischen Anspielungen und Analysen, die nach Meinung des Rezensenten genau die Mitte treffen.

Ein Krimi mit einem ungewöhnlichen Schauplatz - Dieser Erstling von Herrn Beynon Rees ist ungewöhnlich. Das Buch spielt in Palästina und schildert das Leben im Bürgerkrieg auf eindringliche Weise. Es ist zusätzlich ein recht spannender Krimi mit einem sympathischen Helden. Ich werde mir noch weitere Bücher dieses Autors besorgen.

Alltag im Bürgerkrieg - Wie der Text am Umschlag verspricht, gibt das Buch auf spannende Weise Einblick in das Alltagsleben in einer Stadt, in der die Menschen oft Freund und Feind nicht mehr unterscheiden können, Werte wie Wahrheit und Menschlichkeit nicht wirklich viel zählen. Die Hauptperson Omar Jussuf, ein alter Lehrer, glaubt jedoch noch an Ideale und will sich nicht so schnell damit abfinden, dass ein offensichtlich unschuldiger Mensch hingerichtet werden soll. Mit seinen hartnäckigen Nachforschungen bringt er auch sich und seine Familie in Lebensgefahr. In den Text sind oft Omar Jussufs Gedanken eingeflochten, und genau über diese konnte ich mehrmals herzlich lachen. Gegen Ende wird das Geschehen sehr action-mäßig (fast wie in einem Hollywood-Film) und wirkt deshalb nicht mehr ganz glaubhaft.

Spannender Einblick in eine fremde Welt - Matt Rees beschreibt in seinem Omar-Jussuf-Krimi eine uns fremde Welt voller Gewalt, Angst und sinnlosem Morden. Sein Held, ein Geschichtslehrer, glaubt nicht, dass ein ehemaliger Schüler verantwortlich für einen Mord sei. Er beginnt gegen viele Widerstände den wahren Verräter zu ermitteln und begreift spät, wieviel das Gesetz in Bethlehem wert ist. Matt Rees schafft es, zahlreiche Fakten so zu vermitteln, dass sie den spannenden Fortgang der Geschichte nicht lähmen.Die detaillierte Schilderung des täglichen Lebens in Palästina ist erdrückend. Nie zuvor wurde die Spirale der Gewalt, aus der es kein Entkommen zu geben scheint, so lakonisch und unspektakulär dargestellt. Diese Menschen kennen keinen friedlichen Alltag mehr.

Gesellschaftsstudie im Kriminalgewand - Das Buch Der Verräter von Bethlehem zeigt das Leben der Zivilbevölkerung während des Alltags des Krieges der Palästinenser gegen Israel am Beispiel des alten Lehrers Omar Jussuf. Dieser versucht als aufgeklärter Moslem seinen Schülern den Blick für eine andere Beurteilung der politischen Lage zu öffnen, meist jedoch vergeblich. Als ein ehemaliger Schüler von ihm, ein Christ, als Mörder beschuldigt wird, beginnt er, auf eigene Faust zu ermitteln, was gegen den Widerstand der Polizei und der Märtyrerbrigaden geschieht. Es wird ein Bombenanschlag gegen ihn verübt, eine ehemalige Schülerin wird ermordet.Das Buch zeichnet die Ohnmacht des Protagonisten nach, der zwar nach und nach die Ereignisse aufzudecken meint - die Schuldigen werden jedoch von dritter Seite, z.B. der Israelischen Armee, und aus anderen Gründen ausgeschaltet. Dieser Aspekt des Buches hinterlässt einen deprimierenden Eindruck. Seine Spannung rührt nicht hauptsächlich vom Zusammensetzen der Mosaiksteine des Kriminalfalls - wird doch der größte Teil der Hintergründe durch den Haupttäter am Ende einfach erzählt (eher so wie bei Agatha Christie et al.) - sondern eher vom Bangen um das Leben des Protagonisten.Eine gute Möglichkeit, den Nahostkonflikt mal etwas näher als nur durch die Nachrichtenschlagzeilen kennenzulernen.




Der Verräter von Bethlehem